Depressionen – ein Einblick

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„Wie fühlen Sie sich denn, Frau Schusselblume?“

Hm. Ja. Wie fühle ich mich? Wie fühlt man sich denn, wenn man nichts fühlt?

Das ist doch das Interessante. Wenn Menschen Depressionen hören, denken sie oft, man liegt vierundzwanzig Stunden lang im Bett und heult.
Aber so ist das nicht. Zumindest nicht bei mir.

Als das Frau Therapeutin das erste mal gefragt hat, habe ich ihr geantwortet, dass meine Gefühle irgendwo auf ner Nulllinie sind, mit sporadischen Ausschlägen nach oben oder unten.
Und das stimmt. Die meiste Zeit über fühle ich nichts.

Schöne Momente halten kurz an. Wenn ich Glück habe ein paar Stunden. Schlechte Momente bleiben leider meistens länger.

Das oberflächliche Paradoxon? Ich habe Hummeln im Hintern, kriege aber nichts geschafft. Ich schlafe nicht gut, werde aber auch nur sehr schwer müde.
Ich bin angespannt, komme nur schlecht zur Ruhe. Konzentrieren kann ich mich auch nicht. Weinen kann ich schon lange nicht mehr. (So viel zu „ständig traurig“.) Ich bin leichter reizbar, gehe schneller in die Luft. Und alles, wirklich alles, kostet viel mehr Kraft.

Ich versuche, Dinge zu tun, die mir gut tun. Häkeln. Mich mit Freunden treffen. Kochen. Aber das ist einfacher, wenn es mir eh schon gut geht. Und das, obwohl ich weiß, dass es gut für meine Laune ist.

Recovery ist kein geradliniger Prozess. Es geht auf und ab und manchmal auch zurück. Und auch, wenn ich weiß, dass es mir irgendwann wieder besser geht, ist es manchmal schwer, daran zu glauben.

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