Weggezogen

Deine Zahnbürste steht noch im Glas auf dem Waschbecken.
Papa hat deine Hausschuhe zurück in den Schuhschrank gestellt.
Deine Haarbürste, die du seit Monaten nicht mehr nutzen konntest, liegt im Bad, neben den Lockenwicklern.
Am Kühlschrank hängen zwei Fotos von dir, eins von vor vierzig Jahren, das andere von diesem Jahr.
Das ganze Haus trägt deine Handschrift. Die Bilderrahmen, die du ausgesucht hast. Die Figuren von Rosina Wachtmeister, die du so mochtest. Die Willow-Tree-Engel. Das Deckchen auf der Kommode im Flur.

Als Papa die Koffer ausgepackt hat, hat er deinen Bademantel zurück an die Badezimmertür gehangen.
Das kleine Kissen aus dem Krankenhaus und der Sorgenfresser, den du von mir zum Muttertag bekommen hast, liegen im Wohnzimmer auf einem der Sessel. Als würdest du da sitzen.

So ganz ist es noch nicht angekommen, dass du weggezogen bist.
Und ich glaube, das wird auch noch einige Zeit dauern.
So viele Menschen, die uns ansprechen. Die uns sagen, wie leid es ihnen tut. Denen du fehlst. Die erschüttert sind, wie schnell du weggezogen bist.

Papa und ich kommen schon klar. Auch, wenn du uns sehr fehlst. Wir versuchen, stark zu sein. Aber manchmal dürfen wir auch schwach sein. Du wärst die letzte, die etwas dagegen hätte. Da bin ich mir sicher.

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